Aussehen gleich Wissen?


 

Viele, vor allem jüngere Trainierende, denken, dass der, der den dicksten Bizeps hat, auch am meisten über „richtiges“ Training weiß. Sonst hätte er ja wohl keinen so großen Bizeps! Klingt logisch, ist aber nicht so. Warum das so ist und ob man als guter Trainer einen krassen Körper haben muss, erklären wir in unserer allseits beliebten #DONTBETHATGUY-Reihe und beginnen mit einem kleinen Rant bevor es sachlicher wird.

 


Hier geht es zu unserer animierten Version des Artikels.


 

 Wenn Fitness-Youtuber, damit argumentieren, dass ihre Programme und Trainingsansätze die besten sind, weil sie ja so einen muskelbepackten Körper haben, kommt mir schon wieder das Kotzen. Denn die dünnen 60kg auf 180 cm Kiddies, glauben (vielleicht sogar verständlicherweise) der Argumentation, und kaufen sündhaft teure Programme und Supps. Hier ist noch nicht weiter viel Schaden angerichtet, paar Teenager haben ihr Taschengeld verpulvert, wen interessiert´s?

 

Folgenschwerer kann diese Logik im echten Leben sein: Der breiteste im Fitnessstudio wird angesprochen und jedes seiner Worte ist dann Gesetz. Ineffiziente Trainingspläne (5er Split bei Anfängern), 1. Schritt zur Essstörung (Tipps wie alle 2 Stunden essen, nur Reis, Pute, Brokkoli) und katastrophale Technik bei den Grundübungen können die Folge sein. Deshalb ist es Zeit, mit dem Vorurteil Aussehen gleich Wissen aufzuräumen.

 

 

 

 

Den offensichtlichsten Punkt, anabole Steroide/Wachstumshormone, greifen wir zuerst an.

Wenn jemand beim Muskelaufbau nachhilft, sieht er besser aus als jeder Natty und muss dafür nicht einmal trainieren, dementsprechend auch rein gar nichts über Training wissen. Wer jetzt sagt: „Nein auf Stoff muss man immer noch hart trainieren und so viel bringt es gar nicht, auch nicht mehr als Kreatin!“, sollte mal einen Blick über folgende Studie werfen:

 

 

Für die Lesefaulen unter euch mal eine kurze Zusammenfassung:

 

4 Gruppen:

Gruppe 1: 600mg Testosteron Enanthat pro Woche für 10 Wochen mit Training

Gruppe 2: 600mg Testosteron Enanthat pro Woche für 10 Wochen ohne Training 

Gruppe 3: Nur Training ohne Testosteron Enanthat

Gruppe 4: Kontrollgruppe, weder Testosteron noch Training

 

 

Resultate der einzelnen Gruppen:

 

Gruppe 1: Am meisten Gainz und Kraftzuwächse bspw. 22kg +/- 2kg Steigerung beim Bankdrücken.

 

Gruppe 2: Am zweit meisten Gainz und Kraftzuwächse 9kg+/-4kg Steigerung beim Bankdrücken. Ohne Training!

 

Gruppe 3: Am drittmeisten Gainz und wenig Kraftzuwächse 1kg+-/1 beim Bankdrücken

 

Gruppe 4: Keine Veränderung.

 

 

 

Ich denke die Zahlen sprechen für sich. Man sollte noch anmerken, dass so eine Studie durch eine Ethikkommission geprüft wird und deshalb nur eine Substanz in relativ geringer Menge verabreicht wurde. Die Unterschiede zwischen Gruppe 2 und 3 könnten also bei entsprechend mehr Stoff noch größer sein. Also haben wir schon mal einen Fall abgeschlossen bei dem eindeutig nicht gilt Aussehen gleich Wissen. 

 

Noch eine kleine Anmerkung hierzu. Es soll wirklich nicht bedeuten, dass jeder der Stoff nimmt, dumm wie Brot ist und keine Ahnung von Training hat. Es gibt sicher auch Einige, die Jahre lang natural trainiert haben und Ziele haben, die sie nur mit diesen zusätzlichen Mitteln erreichen. Disclaimer im Disclaimer: Stoff ist illegal und kann eurer Gesundheit schaden. So genug politcal correctness, weiter im Text.

 

Das leidige Stoff-Thema ist somit vom Tisch und wir können uns anderen Konstellationen widmen, in denen jemand einen guten Körper, aber nicht viel Ahnung von Training hat - Zufallsgainz!

 

 

 

Ihr wisst nicht was das ist, kein Problem ich kläre euch auf, wie euer Bio Lehrer. Zufallsgainz bedeuten wie es der Name schon sagt, dass jemand zufällig etwas richtig macht, ohne jedoch zu wissen, welche Mechanismen dahinter stecken oder was an seiner Vorgehensweise funktioniert. Mal ein paar Beispiele:

 

Jemand ernährt sich clean und denkt, dass "cleane" Essen sichert seine Gainz. In Wirklichkeit erreicht er durch seine cleane Ernährung zufällig (ohne darauf zu achten) einen leichten Kalorienüberschuss und genügend Eiweiß.

 

Jemand befolgt einen beliebigen nicht sehr intelligenten  Trainingsplan aus dem Internet. Der Trainierende schafft es stärker zu werden, bleibt lange genug dabei und ist genetisch gut veranlagt. Er macht Gainz, ohne zu wissen warum, also zufällig, Zufallsgainz eben. 

 

Versteht mich bitte nicht falsch, ich vergönne jedem Zufalllsgainer seine Zufallsgainz, ich will nur darauf hinaus, dass es schwierig ist Tipps von ihnen anzunehmen, da sie ja nicht Wissen warum etwas funktioniert und darum Anfänger nicht wirklich helfen können. Bleiben wir bei unserem obigen Beispiel vom Clean-Eating. Du als Anfänger kriegst den Tipp von einem gut gebauten Studiobesucher dich clean zu ernähren, weil er ja schließlich damit Erfolg hat. Du isst darauf hin clean, nimmst aber im Gegensatz zu ihm nicht genügend Eiweiß und Kalorien zu dir, weil du beispielsweise nicht so viel Hunger hast. Ich denke mein Punkt wird klar ansonsten gehen wir in dem Artikel Erfolg auch ohne intelligentem Training“ noch genauer auf das Thema ein.

 

 

Quelle: Pixabay

 

 

Bevor ich darauf eingehe, warum man doch Aussehen und Wissen verbinden kann und weshalb einige Experten nicht danach aussehen, als hätten sie krasses Wissen, möchte ich noch kurz auf das Thema Kraft eingehen. Wenn Aussehen schon kein verlässlicher Indikator für das Trainingswissen ist, dann kann man sich doch wenigsten noch auf eine 200kg Kniebeuge verlassen. Schließlich hat man doch Ahnung, wenn man die Grundübungen kann und dann auch noch stark in ihnen ist. Leider nicht, zwar ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein starker Beuger, Heber, etc. sich ganz gut auskennt relativ hoch, es muss aber noch nichts heißen. Kraft und Muskelmasse korrelieren relativ stark (schaut euch diese beiden Studien an http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25 611080 und

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11990746), womit wir wieder beim Thema Aussehen gleich Wissen wären. Außerdem gibt es genetische Freaks, die bei ihrem ersten Mal Kreuzheben über 180kg gehoben haben, Ed Coan und Greg Nuckos fallen mir da spontan ein. Die Gründe dafür, geben uns genug Stoff für einen sehr theoretischen Artikel, der bei Interesse der Leser eventuell noch folgen wird. Der springende Punkt hierbei ist, dass es durchaus auch sein kann, dass jemand 180kg hebt – ein Gewicht mit dem man in einem normalen Gym leider schon der Boss ist – obwohl er diese Übung zum ersten Mal ausprobiert. Halten wir also fest die Kraftwerte in den Grundübungen sind nicht zwangsläufig ein Indikator für tiefgreifendes Wissen.

 

„Momentchen mal. Das ist ja alles schön und gut was ihr da schreibt, aber wenn jemand viel Ahnung von Training und Ernährung hat, dann muss er doch viele Muskeln haben und stark sein und im Umkehrschluss, wird jemand der keine Muskeln hat wenig Wissen im Trainingsbereich haben.“, werden sich unsere aufmerksamen Leser denken. Die Logik macht erstmal Sinn und trifft auch häufig zu allerdings gibt auch hier wieder eine Vielzahl an Ausnahmen. Diese möchte ich noch kurz aufführen und damit ich euch nicht ganz verwirrt zurücklasse, gibt es dann noch ein paar Tipps wie man erkennt, ob man Bullshit erzählt bekommt. Also, wie versprochen einige Beispiele, warum man jemandem der nicht so krass aussieht nicht gleich als Unwissenden abstempeln sollte.

 

Jemand war lange Zeit verletzt und steigt wieder ins Training, eventuell hat er  alle seine Gainz verloren und braucht Jahre, um sein altes Niveau wieder zu erreichen.

 

Jemand trainiert speziell für eine andere Sportart als Bodybuilding/Powerlifting, kennt sich aber dennoch sehr gut mit Krafttraining aus, da er für seinen Sport keine "Spiegel- Muskeln“ braucht (Olympisches Gewichtheben), oder er keinen niedrigen KFA braucht und somit eher dick aussieht(Kugelstoßen ,Strongman, etc.)

 

 

Eine Bodybuilder-Optik ist nicht jedermanns Geschmack, oder man hat seine Bodybuilder Zeiten schon hinter sich und man kann aber durchaus in der Theorie interessiert sein und auch praktisch viel Coaching Erfahrung haben. Lyle Mcdonald und Dr. Brad Schoenfeld fallen mir hier als Beispiele ein, die zu den besten Experten in der Fitnessindustrie zählen, aber nicht (mehr) die Optik haben, die das beweist.

 

Passt zwar nicht ganz in die Reihe, aber dennoch erwähnenswert: Jemand hat zwar einen guten Körper, jedoch keine herausragende Statur. Das sind oft die besten Trainer, sie haben oft eine schlechtere Genetik und tun sich schwerer als andere, deshalb arbeiten sie besonders intelligent und probieren sehr viele Trainingsmethoden aus.

 

Frauen. Ja es gibt auch Frauen, die sehr viel über Krafttraining, Ernährung und Bodybuilding wissen. Oft ist es für das untrainierte Auge nur schwer, an ihrem Körper festzumachen. Die Unterscheidung Bikini Athletin, oder nur Frau mit guter Figur ist nicht immer einfach.

 

Ihr seht also auf äußere Erscheinung und Kraftleistung ist also kaum Verlass. Darum sind Argumente, wie: „Er ist so breit/stark er hat Recht.“, oder:  „Er hat mies den kleinen Bizeps er weiß nichts, absoluter Schwachsinn. Was solltet ihr also machen, wenn ihr euch im Gym keinen Bullshit mehr erzählen lassen wollt.

 

 

  • Nachfragen, wieso ist das so und macht das Erzählte überhaupt Sinn?

 

  • Grundlagenwissen aneignen: Wie ist der Körper aufgebaut, was passiert mit unserem  Essen im Körper? Wie sind Makronährstoffe aufgebaut, wie werden sie abgebaut? Was sind die Grundlagen der Trainingslehre.

 

 

Leider findet man diese Informationen im Internet fast nicht, darum empfehle ich hier Grundlagenliteratur*. Die Fachbücher sind in der Regel recht teuer und ich kann jeden verstehen, dem es das nicht wert ist. Studenten können diese Bücher auch in ihren Bibliotheken ausleihen. Vielleicht schreiben wir auch ein paar solcher Grundlagen Artikel, falls Interesse besteht. Diese werden jedoch recht trocken und theoretisch werden. Auf jeden Fall könnt ihr mit Grundlagenwissen sehr schnell merken, wenn euch jemand Bullshit erzählt.

 

 

Meiner Meinung nach das beste Physiologie Buch

 

Anatomie kann man auch gant gut im Internet lernen. Ich finde den Prometheus ganz gut, denke aber das ist Geschmackssache.

 

 

 

Biomechanik für nicht Biomechaniker ist auch ein gutes Buch, vor allem, wenn man nicht viel Vorwissen hat.

 

 

Der Löffler/Petrides ist für mich das beste Biochemie Buch

 

 


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